Kurz gesagt: Ein Anemometer ist ein Messgerät für die Windgeschwindigkeit, also ein Windmesser. Draußen am häufigsten ist das Schalenkreuz-Anemometer: Je stärker der Wind, desto schneller drehen sich die Schalen, und das aus jeder Richtung. Ein Hand-Anemometer zeigt dir die Geschwindigkeit genau da, wo du stehst, in Knoten, km/h, m/s oder mph. Es misst die Geschwindigkeit, nicht die Richtung. Die Richtung zeigt eine Windfahne.
Jede Wetterstation hat eins, aber am nützlichsten ist oft das Anemometer in deiner Jackentasche. Hier liest du, was es misst, welche Bauarten es gibt und wie du Werte bekommst, auf die du dich verlassen kannst.
Was ein Anemometer misst
Ein Anemometer misst die Windgeschwindigkeit, also wie schnell die Luft an einem Punkt vorbeiströmt. Der Name kommt vom griechischen Wort anemos, Wind. Die meisten Handgeräte zeigen den Wert in Knoten, km/h, m/s oder mph an, viele auch die stärkste Böe und einen Durchschnitt über kurze Zeit.
Woher der Wind kommt, sagt dir ein Anemometer nicht. Dafür gibt es die Windfahne, einen Windsack, eine Flagge oder einen Kompass und deine eigenen Augen. Wetterstationen haben meist beides.
Die wichtigsten Bauarten
| Bauart | So funktioniert es | Gut für |
|---|---|---|
| Schalenkreuz | Drei oder vier Schalen auf einem Rotor. Je stärker der Wind, desto schneller dreht er sich. | Wetterstationen, Boote, Strand, Handgeräte. Misst den Wind aus jeder Richtung. |
| Flügelrad (Propeller) | Ein kleiner Propeller dreht sich im Wind. Er misst nur richtig, wenn er genau in den Wind zeigt. | Luftstrom an Lüftungsgittern und Kanälen, schnelle Messungen, wenn du das Gerät ausrichten kannst. |
| Hitzdraht | Ein beheizter Draht kühlt in bewegter Luft schneller ab. Die Elektronik misst diese Abkühlung. | Sehr geringe Luftgeschwindigkeiten in Innenräumen, Lüftungskanäle, Forschung. |
| Ultraschall | Schallimpulse laufen zwischen Sensoren hin und her. Bewegte Luft verändert ihre Laufzeit. | Feste Wetter- und Forschungsstationen. Keine beweglichen Teile, höherer Preis. |
| Staurohr (Pitotrohr) | Vergleicht den Druck der bewegten Luft mit dem der ruhenden Luft. | Fahrtmesser in Flugzeugen und Windkanäle. |
So funktioniert ein Schalenkreuz-Anemometer
Die offene Seite jeder Schale fängt mehr Wind als die runde Rückseite. Deshalb dreht sich der Rotor immer in dieselbe Richtung, egal woher der Wind weht. Ein Sensor zählt die Umdrehungen, und das Display rechnet sie in Windgeschwindigkeit um.
Die Idee ist alt. Leon Battista Alberti beschrieb um 1450 einen mechanischen Windmesser, und der irische Astronom Thomas Romney Robinson baute 1845 und 1846 das Schalenkreuz-Anemometer. Wetterstationen arbeiten bis heute mit demselben Prinzip.
Bei einem Handgerät wie dem Windie 360 sitzen die Schalen in einem Schutzkäfig. So kann der Windmesser in der Jackentasche oder der Segeltasche mitfahren und misst trotzdem den Wind von jeder Seite.
Hand-Anemometer oder fest montiert
Ein fest montiertes Anemometer am Mast oder auf dem Dach zeichnet den Wind an einer Stelle durchgehend auf. Ein Hand-Anemometer gibt dir den Wert genau da, wo du stehst. Und genau den brauchst du, wenn du jetzt etwas entscheiden musst: auf dem Boot, am Strand, am Startplatz oder auf der Arbeitsbühne.

Die gängigen Handgeräte nebeneinander findest du in unserem Vergleich der Hand-Windmesser.
Wer ein Anemometer braucht
- Segler und Wettfahrtleiter: um eine Wettfahrt zu starten, zu verschieben oder abzukürzen und um die Bahnlänge festzulegen. Mehr dazu unter Windmesser bei Segelregatten.
- Kitesurfer und Wingfoiler: um die richtige Kite- oder Winggröße zu wählen. Siehe die Tabelle für Kite- und Winggrößen.
- Drohnenpiloten: um den Wind mit der Windgrenze der Drohne zu vergleichen. Siehe bei wie viel Wind eine Drohne fliegen kann.
- Gleitschirmflieger, Angler, Golfer, Kran- und Gerüstbauer, Veranstalter: siehe Hand-Windmesser jenseits des Segelns.
So misst du richtig
- Halte das Anemometer mit ausgestrecktem Arm hoch, weg von deinem Körper, von Gebäuden, Segeln und Bäumen.
- Gib ihm 20 bis 30 Sekunden. Wind ist nie gleichmäßig, also notiere den Durchschnitt und die stärkste Böe.
- Miss da, wo es zählt: am Einstieg, an der Startlinie, in der Höhe, in der du arbeitest.
- Miss jedes Mal an derselben Stelle. Der Vergleich mit gestern bringt oft mehr als die genaue Zahl.
- Auf einem fahrenden Boot misst du den scheinbaren Wind, also deine eigene Fahrt plus den wahren Wind. Für den wahren Wind halt an.
- Rechne die Einheit um, wenn dein Datenblatt eine andere nutzt. Unser Windgeschwindigkeits-Rechner zeigt dir auch die Windstärke nach Beaufort.
Typische Fehler
- Messen in der Abdeckung. Neben einem Auto, einer Mauer oder einer Düne zeigt das Gerät schnell nur die Hälfte vom echten Wind.
- Nur einen Wert ablesen. Ein kurzer Blick erwischt leicht ein Loch oder eine Böe. Schau eine halbe Minute hin.
- Vom Strand aufs Wasser schließen. Ein Stück draußen kann der Wind ein paar Knoten stärker sein als im Sand.
- Flügelrad schlecht ausgerichtet. Zeigt ein Propeller-Windmesser ein paar Grad am Wind vorbei, misst er zu wenig. Mit einem Schalenkreuz passiert das nicht.

